Sonntag, 13. Januar 2019

Rezension: The Future is Female

Titel: The Future is Female - was Frauen über Feminismus denken
Herausgeberin: Scarlett Curtis
Genre: Essays
Verlag: Goldmann
Seitenzahl: ~ 416

Inhalt
Auch heute sind wir trotz #MeToo und einer größer werdenden Aufmerksamkeit für die Thematik immer noch weit von der Gleichberechtigung der Geschlechter entfernt. Gender Pay Gap und Mansplaining sind nur wenige Beispiele für das Ungleichgewicht unserer Gesellschaft. Dieses Buch lässt Frauen aus unterschiedlichen Lebensphasen und mit sehr verschiedenen Hintergründen zum Thema Feminismus zu Wort kommen und versammelt zahlreiche, individuelle Meinungen. Für jede Frau bedeutet Feminismus etwas anderes, weil keine Frau wie die andere ist. Der heutige, intersektionale Feminismus definiert sich über das Dafür und Miteinander statt das Dagegen.

*Werbung/Rezensionsexemplar

Eindrücke
Zunächst ein großes Dankeschön an den Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung zum Buch bleibt davon natürlich unberührt.

Ich bin sehr froh, dass zum Thema Feminismus aktuell so viele spannende Bücher erscheinen und habe mich sehr gefreut The Future is Female zu lesen. Das pinke Cover lässt sich kaum ignorieren, was bei der Thematik sicherlich wichtig ist.

Das Buch setzt sich zusammen aus Essays. Jeder Frau werden hier einige Seiten zur Verfügung gestellt, um zu Wort zu kommen. Ehrlich, nachdenklich, direkt, ungeschönt. Hier schreiben Frauen darüber, was für sie persönlich Feminismus bedeutet, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben oder was sie sich für den neuen Feminismus wünschen. Gesammelt wurden hier Stimmen von Aktivistinnen, Journalistinnen, Schauspielerinnen und vielen mehr. Jede hat einen ganz eigenen Blick auf den Feminismus. Sie befinden sich in sehr unterschiedlichen Lebensphasen. Von jugendlicher Aktivistin über die erfahrene Geschäftsfrau bis hin zur berühmten Schauspielerin ist alles dabei.

Besonders stach für mich zum Beispiel Keira Knightleys Essay namens "Das schwächere Geschlecht" hervor. Ihre beinahe brutal-offenen Schilderungen gingen mir unter die Haut und nachdem ich den letzten Satz ihres Beitrags gelesen hatte, fragte ich mich, wie irgendwer überhaupt auf die Idee kommen kann die Frau als das schwache Geschlecht zu bezeichnen.

Fazit
Eine Bewertung persönlicher Meinungen fällt mir immer schwer. Mit einigen der Frauen kann man sich besser identifizieren als mit anderen. Manche Beiträge werden einen nicht ansprechen und andere dafür umso mehr. Für mich spiegelt sich darin aber wieder worum es im neuen, intersektionalen Feminismus geht und warum The Fututre is Female verfasst wurde. Es geht darum zu sehen, dass jeder Feminismus für sich selbst definiert, aber alle ein gemeinsames Ziel haben. Auch wenn man sich mit dem Feminismus einer anderen Person nicht 1:1 identifizieren kann, kommt es darauf nicht an und die Beiträge im Buch veranschaulichen dies sehr gut.

Mir persönlich gefiel ein Großteil der Beiträge sehr gut. Vieles stimmte mich nachdenklich, einiges verursachte bedrücktes Kopfschütteln und anderes machte Mut. Was mich aber nicht so anspricht ist die Farbe Pink des Covers. Hier wurde ein schreiendes, fast aggressives Pink gewählt und ich verstehe den Grund dafür, aber mir persönlich gefällt es nicht, dass Feminismus in Pink gekleidet wird. Mit Pink werden - leider - immer Frauen und Mädchen in Verbindung gebracht. Ich finde es daher nicht gut, dass die Farbe für das Thema Gleichberechtigung aufgegriffen wird. Es gibt sogar einen Abschnitt im Buch, der zur Farbe Pink informiert. Aber der spezielle, beschriebene Pinkton - welcher nämlich Betrachter erwiesenermaßen weniger aggressiv stimmt - wurde vom Verlag leider nur auf dem Innencover verwendet. Wenn schon Pink, hätte er mir besser auf dem äußeren Cover gefallen.

Insgesamt möchte ich das Buch jedem Empfehlen, der erfahren möchte wie es für Frauen ins unserer Gesellschaft ist nicht gleichberechtigt zu sein. Was sie empfinden und was sie sich erhoffen. Und übrigens betonen sie auch, wie ungesund die fehlende Gleichberechtigung für Männer und Jungen ist, die ebenfalls in eine Rolle gedrängt werden. Ich fände es schön, wenn es noch ein ergänzendes Buch geben würde, in dem Männer zu Wort kommen, die Feministen sind.


Kommentare:

  1. Hey :)
    Ich muss ja gestehen, aufgrund der Farbe und des Titels bin ich jetzt ein paar Tage um deine Rezension geschlichen, wie um den heißen Brei. Aber dazu später mehr.
    Eine andere Bloggerin hatte das Buch vor einiger Zeit ebenfalls gelesen und kurz ihre Meinung dazu geäußert. Wichtig ist das Thema, Un-Gleichberechtigung auf jeden Fall!

    Leider leider leider muss ich dir so recht geben, dass die Farbe echt ungünstig gewählt ist. So viele Bücher über Feminismus sind immer pink. Ich verstehe leider überhaupt nicht, wie das zu einer Gleichbehandlung der Geschlechter beitragen soll. Ich hab das Buch selbst nicht gelesen, aber aufgrund des Titels würde ich das auch nicht tun, so interessant ich den Inhalt und die Intention dahinter auch finde. Es ist super, dass unterschiedliche Frauen aus unterschiedlichen Positionen, Situationen und Altersspannen erzählen und berichten, was für sie Feminismus ist und wie sie eine Ungleichheit erleben. Bei diesem ganzen (sehr viel größeren) Themenkomplex finde ich es aber teilweise schade, dass Feminismus auf den ersten Blick oft so gesehen werden kann, dass ein "Überholen" der Männer gemeint ist oder ausgedrückt werden soll. Wieso heißt das Buch nicht "The Future Is Human"? Die Zukunft ist nicht weiblich und sollte sie, aus meiner Sicht, auch nicht sein. Es gibt Männer und es gibt andere Geschlechter und nur weil Frauen ungleich behandelt werden, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass - wenn diese Situation verbessert werden soll - sie höher gestellt werden oder eben die Zukunft sind/leiten/anführen/was auch immer.
    Aber gut, das ist sicherlich nochmal eine ganz andere Diskussion.

    Nichtsdestotrotz hat mir deine Rezension sehr gefallen; du schaffst es immer wieder, sehr sachlich aber doch persönlich zu berichten und deine Ansicht sehr klar darzustellen und zu transportieren. :)

    Liebe Grüße
    Moony

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    1. Hallo Moony,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar und das liebe Kompliment zur Rezension! :D

      Was den Titel "The Future is Female" betrifft, war ich auch etwas zwiegespalten. Ich fasse es aber dann doch eher so auf, dass die Zukunft weiblicher werden muss, da unsere Gesellschaft bislang - trotz zahlreicher Verbesserungen - immer noch durch Männer dominiert wird. Insofern stimme ich dem Ausspruch zu, allerdings finde ich auch, dass man insgesamt klar kommunizieren muss, dass es nicht nur um eine Verbesserung für Frauen geht, sondern letztlich für alle. Im Buch selbst wird das auch sehr deutlich. Das ist mir positiv aufgefallen, da häufiger angesprochen wird wie toxisch unser aktuelles Gesellschaftsmodell auch für Männer ist.

      Na ja, zu dem Thema kann man ewig schreiben. Für den Anfang wäre es schon klasse, wenn man sich von der Farbe Pink zur Repräsentation der Thematik verabschieden würde ;)

      Liebe Grüße
      Svenja

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